Notruf 112

Eine Produktionshalle in Vollbrand, mehrere Vermisste, das Feuer breitet sich rasant aus: Diese Lage haben die Feuerwehreinheiten Dahn und Erfweiler gemeinsam mit der Feuerwehr Bad Bergzabern am Freitag, 2. Oktober 2026, gegen 19:30 Uhr bei der Firma SLS Kunststoffverarbeitung im Industriegebiet Dahn-Reichenbach geübt. Die Übung hatte vier Schwerpunkte: die Erkundung eines Industriegebäudes, die Menschenrettung im Innenangriff bei Nullsicht, das Setzen von Prioritäten bei mehreren gleichzeitigen Aufgaben und die Zusammenarbeit mehrerer Einheiten. Beim Innenangriff gehen Trupps unter Atemschutz ins Gebäude vor. Bei Nullsicht sehen sie dort wie in dichtem Rauch praktisch nichts, bei Übungen wird dies durch leistungsstarke Nebelmaschinen simuliert.

Der zuerst eintreffende Einsatzleiter wurde mit bearbeiteten Bildern in die Lage eingewiesen, um die Übungskünstlichkeit zu reduzieren. Angenommen war, dass eine Produktionshalle in Vollbrand stand, das Feuer hatte bereits auf zwei angrenzende Lager übergegriffen, ein Werkzeug- und ein Materiallager. Wie viele Menschen vermisst wurden, war unklar. Weil die brennende Halle nicht mehr betreten werden konnte, konzentrierte sich die Menschenrettung auf die beiden Lager. Ein Trupp des Dahner Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugs (HLF) ging sofort unter Atemschutz in den hinteren Teil des Materiallagers vor. Dort fand er eine Person, die unter einer Palette eingeklemmt war. Um sie zu befreien, musste der Trupp zusätzlich einen hydraulischen Spreizer im Gebäude vornehmen.

In einem angrenzenden Teil des Materiallagers war eine Person von einer Scherenhubbühne gestürzt und hing im Auffanggurt. Ihre Rettung übernahmen die Besatzungen von Drehleiter und Tanklöschfahrzeug. Zwischen den beiden Produktionshallen war zudem ein Lkw-Fahrer im Kühlwasserrücklaufschacht verunglückt, nachdem er bei einem Knall erschrocken war. Mit dem Auf- und Abseilgerät des Rüstwagens retteten ihn die Einsatzkräfte schonend. Parallel zur Menschenrettung baute die Einheit Erfweiler eine sogenannte Riegelstellung auf. Mit Strahlrohren schirmte sie die benachbarte Produktionshalle ab, damit die Flammen nicht übergreifen.

Die später eingetroffene Freiwillige Feuerwehr Bad Bergzabern übernahm einen Abschnitt der Brandbekämpfung. Mit ihrem HLF ging sie zur Menschenrettung in das Werkzeuglager vor. Auch dort war eine Person eingeklemmt. Die Trupps fanden mehrere Personen und brachten sie ins Freie. Zudem waren dort mehrere Acetylenflaschen zu kühlen. Acetylen wird in Schlossereien zum Schweißen eingesetzt. Werden die Flaschen zu heiß, können sie explodieren.

Die Besatzung des Einsatzleitwagens (ELW) koordinierte das Geschehen. Nach der ersten Erkundung gliederte sie die Einsatzstelle in Abschnitte und Unterabschnitte mit jeweils eigener Führung und führte eine Lagekarte sowie ein Einsatztagebuch. Laut Szenario zog der Brandrauch in Richtung Schindhard. Sie forderte deshalb weitere Kräfte an, ließ den Rauch auf Schadstoffe messen und die Bevölkerung warnen. Diese Maßnahmen wurden im Übungsgeschehen simuliert.

Ein eigener Logistikabschnitt kümmerte sich um die Einsatzkräfte, die unter Atemschutz gearbeitet hatten. Geübt wurde, sie zu dekontaminieren und ihre Einsatzkleidung noch an der Einsatzstelle abzulegen, denn nach einem echten Brand ist diese mit Schadstoffen belastet. Anschließend konnten sich die Kräfte in einem beheizten Zelt erholen.
An der Übung nahmen 40 Einsatzkräfte der Einheit Dahn mit acht Fahrzeugen und zehn Kräfte der Einheit Erfweiler mit zwei Fahrzeugen teil. Die Feuerwehr Bad Bergzabern war mit einer Staffel (sechs Einsatzkräfte) und einem Führungsfahrzeug vertreten.

Die Übungsziele konnten vollumfänglich erreicht werden, die Zusammenarbeit zwischen den Einheiten hat gewohnt hervorragend funktioniert. Wir danken der Firma SLS herzlich dafür, dass wir eine Übung in dieser Größenordnung während der laufenden Produktion durchführen durften. Ebenso freuen wir uns über die erneut reibungslose Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Bad Bergzabern über die Kreisgrenze hinweg. Sie hat sich bereits bei einem gemeinsamen Einsatz im Februar bewährt und soll weiter gepflegt werden.

Hinweis: Bilder zur Lagedarstellung mit KI bearbeitet.